Kolumne

Ausgabe 201 / November 2020

KEIN PLATZ FÜR RASSISMUS

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Es war einer der Aufreger der letzten Wochen: Am 1. Oktober suspendierte das Team Trek-Segafredo seinen US-amerikanischen Fahrer Quinn Simmons wegen Fehlverhaltens in den sozialen Medien. Hintergrund war dessen Antwort auf einen Tweet einer niederländischen Radsportjournalistin, in dem diese US-Präsident Donald Trump kritisiert hatte.

„Wenn ihr mir folgt und Trump unterstützt, könnt ihr gehen“, hatte diese geschrieben. Der 19-Jährige, ein bekennender Trump-Supporter, reagierte darauf mit „bye“ und einer dunkelbraunen winkenden Hand. Die Benutzung eben dieser Hand wurde als ablehnende Anspielung auf die „Black Lives Matter“-Bewegung verstanden. „Leider hat Quinn Simmons Äußerungen getätigt, die unserer Meinung nach polarisierend, aufhetzend und schädlich sind. Darum wird er bis auf Weiteres nicht für Trek-Segafredo antreten“, kommentierte das Team in einer Pressemitteilung die Entscheidung.

 

Der Beschluss von Trek-Segafredo, Simmons auf die Ersatzbank zu setzen, ist ein starkes Signal für einen weltoffenen Radsport. Das gilt umso mehr, als dass Rassismus im Peloton eine bis dato nur wenig diskutierte Angelegenheit ist. Erst kürzlich prangerte der französische Radprofi Kévin Réza, in diesem Jahr der einzige Schwarze bei der diesjährigen Tour de France, an, dass er bereits des Öfteren von anderen Profis rassistisch beleidigt wurde, allerdings kaum Solidarität von seinen Fahrerkollegen erfahren habe. Es ist nicht der einzige Bericht dieser Art, der in den vergangenen Jahren die Szene erschüttert hat. Und während andere Sportarten wie etwa der Fußball oder die Formel 1 sich in den letzten Monaten im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung klar positionierten, ist der Radsport dies in einer größeren, publikumswirksamen Form bisher schuldig geblieben.

Der Beschluss des Teams Trek-Segafredo, so stark auf die Äußerungen seines Fahrers Quinn Simmons zu reagieren, könnte daher ein Anfang sein. Ein Anfang für einen Radsport, der sich klar positioniert. Und der für Weltoffenheit und gegen rassistische Vorurteile steht.

Procycling - Ausgabe 201 / November 2020



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