Kolumne

Ausgabe 164 / Oktober 2017

Weniger plakativ, dafür substanziell

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Noch ist die Radsport-Saison nicht vorbei – nach Redaktionsschluss fanden im norwegischen Bergen die Straßen-Weltmeisterschaften statt und auch Lombardei-Rundfahrt & Co. stehen noch auf dem Rennkalender – doch ein erstes Fazit lässt sich durchaus ziehen.

War es ein Jahr der Deutschen? Wenn man mal von Marcel Kittel absieht, wohl eher nicht. Auch wenn die Profis bei der WM noch zwei Einzeltitel einfahren können, ist 2017 in Sachen große Siege eher verhalten ausgefallen.
Doch diese Bilanz trügt ein wenig, denn der Radsport in Deutschland hat sehr wohl einen großen Schritt gemacht. Die Stimmung, Resonanz und hunderttausendfache Anteilnahme des Publikums beim Grand Départ in Düsseldorf, das erfolgreiche erste WorldTour-Jahr von Bora–hansgrohe mit Weltmeister Peter Sagan und Emanuel Buchmann, der bei der Tour de France auf einen bemerkenswerten 15. Platz fuhr, und nicht zuletzt die Erfolge des in Deutschland gemeldeten Teams Sunweb, bei dem sich auch Nikias Arndt (Sieg beim Cadel Evans Great Ocean Road Race) und Phil Bauhaus (Etappenerfolg beim Critérium du Dauphiné) in Szene setzen konnten und das mit Giro-Sieger Tom Dumoulin einen der Fahrer des Jahres stellt – im Rückblick überwiegt bei Weitem das Positive.

In der kommenden Saison wird das Augenmerk der einheimischen Fans stärker denn je auf Katusha-Alpecin ruhen, das sich mehr und mehr zu einem deutschen Team mausert, auch wenn es in der Schweiz angesiedelt ist. 2018 werden die langjährigen Weggefährten Tony Martin und Marcel Kittel dort wiedervereint sein, hinter ihnen stapeln sich zudem hungrige Talente, an denen Radsport-Deutschland noch viel Freude haben wird: Rick Zabel und Nils Politt haben ihr Potenzial in diesem Jahr bereits unter Beweis gestellt, auch Zeitfahrspezialist Marco Mathis hat das Zeug für mehr. Insofern: Ja, es war ein gutes Jahr für den deutschen Radsport. Auch wenn André Greipel, John Degenkolb und Tony Martin mit ihrer Saison nicht zufrieden sein werden. Zumindest bei den beiden Letzteren kann sich das in Bergen aber noch geändert haben.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe von Procycling.

Chris Hauke
Redaktion

Procycling - Ausgabe 164 / Oktober 2017



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