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Ausgabe 204 / Februar 2021

Einfach dran glauben - Alex Dowsett

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Alex Dowsett hat beim Giro d’Italia mit einem cleveren Solo seine erste Straßenetappe seit 2011 gewonnen. Er erzählt Procycling, wie der Sieg seine Einstellung im Rennen verändert hat und warum er noch einmal den Stundenweltrekord in Angriff nehmen will.

Um zu ahnen, wie Alex Dowsett von der breiteren Radsport-Community wahrgenommen wird, musste man am Nachmittag nach seinem Sieg auf der 8. Etappe des Giro d’Italia im vergangenen Oktober nur einen Blick auf die sozialen Medien werfen. Der Brooklyn-Dodgers-Coach Leo Durocher war angeblich der Erste, der über die Rivalen seines Teams, die New York Giants, sagte: „Es sind alles nette Jungs, aber sie werden Letzte werden.“ In Dow­setts Fall war es ein Sieg für nette Jungs überall. Auf Twitter überschlugen sich die Motivationsbotschaften und besten Wünsche, als der Brite die letzten 17 Kilometer nach Vieste als Solist absolvierte, nachdem er den ganzen Tag in der Ausreißergruppe verbracht hatte. Es war Dowsetts wichtigster Sieg bei einem Straßenrennen seit seinem Neuprofijahr 2011. 

 

Dowsett ist seit einem Jahrzehnt Profi und hat natürlich schon Rennen gewonnen. Es war nicht einmal sein erster Giro-­Etappensieg, hatte er doch 2013 das Zeitfahren der 8. Etappe vor Bradley Wiggins gewonnen. Er ist mehrfacher britischer Meister im Zeitfahren und Stundenwelt­rekordler. Dowsett ist eine Konstante bei allen britischen Erfolgen der letzten zehn Jahre, auch wenn die Medien ihn weniger beachten als einige seiner Landsleute – nicht zuletzt deshalb, weil er seine Karriere außerhalb der Sky-Blase bei Teams wie Movistar, Katusha und jetzt Israel Start-Up Nation verbracht hat. 

„Die Reaktion im Internet, in den sozialen Medien, hat mich umgehauen. Alle möglichen Leute haben mich kontaktiert und mir das Beste gewünscht“, sagt Dowsett zu Procycling. „Ich konnte immer alles abarbeiten, aber dieses Mal nicht, das habe ich noch nie erlebt. Es war umwerfend und wirklich toll. Ich bin viel in den sozialen Medien unterwegs, ich bin sehr aktiv, und es macht mir Spaß, wir haben alle unsere Follower, aber es ist schon etwas, wenn du siehst, dass deine Follower sich so dafür interessieren, was du machst.“

Der Giro-Etappensieg war umso bedeutsamer wegen der Umstände, die ihn umgaben. Erstens ist da die Tatsache, dass Dowsett vor allem als Zeitfahrer bekannt ist; zwölf seiner 15 Siege hat er gegen die Uhr erzielt. Vor dem Giro hatte er nur einen Sieg auf der Straße gefeiert – eine Etappe bei Poitou-Charentes in seinem ersten Jahr als Profi, nachdem er drei Kilometer vor dem Ziel attackiert hatte – und die Gesamtwertung der Bayern Rundfahrt 2015 (wobei das seiner Leistung beim Zeitfahren des Rennens zu verdanken war). Wenn er nicht gegen die Uhr fährt, macht er seinen Job als Sprintanfahrer und setzt seine Power perfekt ein, um  seinen Sprinter zur Linie zu eskortieren. In der Rolle des Anfahrers war er auch beim Giro im Einsatz. Dass Fahrer wie Dowsett Grand-Tour-Etappen mit langen Soloangriffen gewinnen, passiert nicht oft.

„Ich glaube, genau das, was man nie erwartet, ist das Schönste, und die Siege, bei denen man vielleicht nicht denkt, dass man es kann, sind die wichtigen“, sagt Dowsett. „Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Zeitfahren und ich liebe es, Zeitfahren zu gewinnen, aber ein Straßenrennen zu gewinnen, ist etwas Besonderes, es ist etwas anderes, als im Bus zu sitzen und abzuwarten, wie du im Vergleich zu allen anderen abgeschnitten hast.“ 

Wenn man es mit Kontaktbeschränkungen und faden Zitaten zu tun hat, ist der Brite jemand, der immer ansprechbar ist und etwas Interessantes zu sagen hat. Er hat eine starke Social-Media-Fangemeinde, weil die Version von Alex Dow­sett, die man über seinen Twitter-Ac­-count oder über YouTube-Vlogs sieht, sich nicht von dem Alex Dowsett unterscheidet, den man im wirklichen Leben treffen würde. Sein Giro-Sieg war umso liebenswerter, nachdem er an dem Morgen getwittert hatte: „Heute morgen Zähne geputzt und dann gemerkt, dass ich meinen frisch aufgebrühten Kaffee noch nicht getrunken hatte. Ich hoffe wirklich, der Tag wird besser, denn er fing mit einem Albtraum an.“


Um zu ahnen, wie Alex Dowsett von der breiteren Radsport-Community wahrgenommen wird, musste man am Nachmittag nach seinem Sieg auf der 8. Etappe des Giro d’Italia im vergangenen Oktober nur einen Blick auf die sozialen Medien werfen. Der Brooklyn-Dodgers-Coach Leo Durocher war angeblich der Erste, der über die Rivalen seines Teams, die New York Giants, sagte: „Es sind alles nette Jungs, aber sie werden Letzte werden.“ In Dow­setts Fall war es ein Sieg für nette Jungs überall. Auf Twitter überschlugen sich die Motivationsbotschaften und besten Wünsche, als der Brite die letzten 17 Kilometer nach Vieste als Solist absolvierte, nachdem er den ganzen Tag in der Ausreißergruppe verbracht hatte. Es war Dowsetts wichtigster Sieg bei einem Straßenrennen seit seinem Neuprofijahr 2011. 

 

Dowsett ist seit einem Jahrzehnt Profi und hat natürlich schon Rennen gewonnen. Es war nicht einmal sein erster Giro-­Etappensieg, hatte er doch 2013 das Zeitfahren der 8. Etappe vor Bradley Wiggins gewonnen. Er ist mehrfacher britischer Meister im Zeitfahren und Stundenwelt­rekordler. Dowsett ist eine Konstante bei allen britischen Erfolgen der letzten zehn Jahre, auch wenn die Medien ihn weniger beachten als einige seiner Landsleute – nicht zuletzt deshalb, weil er seine Karriere außerhalb der Sky-Blase bei Teams wie Movistar, Katusha und jetzt Israel Start-Up Nation verbracht hat. 

„Die Reaktion im Internet, in den sozialen Medien, hat mich umgehauen. Alle möglichen Leute haben mich kontaktiert und mir das Beste gewünscht“, sagt Dowsett zu Procycling. „Ich konnte immer alles abarbeiten, aber dieses Mal nicht, das habe ich noch nie erlebt. Es war umwerfend und wirklich toll. Ich bin viel in den sozialen Medien unterwegs, ich bin sehr aktiv, und es macht mir Spaß, wir haben alle unsere Follower, aber es ist schon etwas, wenn du siehst, dass deine Follower sich so dafür interessieren, was du machst.“

Der Giro-Etappensieg war umso bedeutsamer wegen der Umstände, die ihn umgaben. Erstens ist da die Tatsache, dass Dowsett vor allem als Zeitfahrer bekannt ist; zwölf seiner 15 Siege hat er gegen die Uhr erzielt. Vor dem Giro hatte er nur einen Sieg auf der Straße gefeiert – eine Etappe bei Poitou-Charentes in seinem ersten Jahr als Profi, nachdem er drei Kilometer vor dem Ziel attackiert hatte – und die Gesamtwertung der Bayern Rundfahrt 2015 (wobei das seiner Leistung beim Zeitfahren des Rennens zu verdanken war). Wenn er nicht gegen die Uhr fährt, macht er seinen Job als Sprintanfahrer und setzt seine Power perfekt ein, um  seinen Sprinter zur Linie zu eskortieren. In der Rolle des Anfahrers war er auch beim Giro im Einsatz. Dass Fahrer wie Dowsett Grand-Tour-Etappen mit langen Soloangriffen gewinnen, passiert nicht oft.

„Ich glaube, genau das, was man nie erwartet, ist das Schönste, und die Siege, bei denen man vielleicht nicht denkt, dass man es kann, sind die wichtigen“, sagt Dowsett. „Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Zeitfahren und ich liebe es, Zeitfahren zu gewinnen, aber ein Straßenrennen zu gewinnen, ist etwas Besonderes, es ist etwas anderes, als im Bus zu sitzen und abzuwarten, wie du im Vergleich zu allen anderen abgeschnitten hast.“ 

Wenn man es mit Kontaktbeschränkungen und faden Zitaten zu tun hat, ist der Brite jemand, der immer ansprechbar ist und etwas Interessantes zu sagen hat. Er hat eine starke Social-Media-Fangemeinde, weil die Version von Alex Dow­sett, die man über seinen Twitter-Ac­-count oder über YouTube-Vlogs sieht, sich nicht von dem Alex Dowsett unterscheidet, den man im wirklichen Leben treffen würde. Sein Giro-Sieg war umso liebenswerter, nachdem er an dem Morgen getwittert hatte: „Heute morgen Zähne geputzt und dann gemerkt, dass ich meinen frisch aufgebrühten Kaffee noch nicht getrunken hatte. Ich hoffe wirklich, der Tag wird besser, denn er fing mit einem Albtraum an.“


Procycling - Ausgabe 204 / Februar 2021



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in der Procycling Ausgabe 204 / Februar 2021.