Kolumne

Ausgabe 190 / Dezember 2019

Wer hätte das gedacht?

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Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken, das Jahr geht seinem Ende entgegen – genau die richtige Zeit also, um auf die letzte Saison und ihre Protagonisten zurückzublicken.

Wir haben es in den vergangenen Monaten schon häufiger erwähnt, doch wenn man noch einmal genau hinschaut, vollzog sich 2019 ein echter Wachwechsel im Peloton. Beispiele gefällig? Bitte sehr: Wer hätte im Januar gedacht, dass sämtliche Grand Tours von neuen Gesichtern gewonnen werden – und auch der Weltmeister bislang nur Insidern ein Begriff gewesen ist? Wer hätte gedacht, dass die deutschen Radsport-Ikonen der jüngeren Vergangenheit so verändert aus dem Jahr herausgehen? Tony Martin trug als Motor von Jumbo–Visma dazu bei, dass seine Kapitäne die Vuelta gewinnen konnten (Primož Roglič) und bei der Tour auf das Podium fuhren (Steven Kruijswijk), und erreichte damit genau das Ziel, das er sich vor der Saison gesetzt hatte – auch wenn er beide Rundfahrten nicht beenden konnte. Statt auf Einzelsiege zu schielen, wird er wohl auch 2020 alle Kräfte für seine Leader aufwenden. Weniger gut lief es für die Sprinter: André Greipel kam bei Arkéa-Samsic nie in Tritt und wechselt folgerichtig das Team, Marcel Kittel war so frustriert von den Entwicklungen und Ergebnissen bei und mit Katusha-Alpecin, dass er gar ganz zurücktrat.

Für sie sprangen andere in die Bresche. Wer hätte gedacht, dass Bora–hansgrohe eine derartig grandiose Saison fahren würde – mit Emanuel Buchmann als Viertem der Tour de France, dem 13-fachen Tagessieger Pascal Ackermann, der sich dazu das Punktetrikot beim Giro holte, und dem deutschen Meister Maximilian Schachmann, der bei den Ardennenklassikern sein Potenzial aufblitzen ließ, ehe er bei der Tour durch einen schweren Sturz zurückgeworfen wurde. Von ihm wird im kommenden Jahr sicher noch die Rede sein. Und dies sind nur die prägnantesten Beispiele, ich könnte die Aufzählung noch deutlich weiter fortführen. Damit zum Kurzfazit: 2019 war ein aufregendes und sehr umwälzendes Jahr im Radsport. Dies belegen auch unsere Titelgeschichte um Egan Bernal und Co. sowie der Rückblick unserer Fab Four. Beim Lesen dieser Storys und der weiteren Artikel in dieser Ausgabe wünsche ich Ihnen viel Vergnügen. Freuen wir uns damit auf eine erneut spannende Saison 2020.
 
Chris Hauke
Redaktion Procycling

Procycling - Ausgabe 190 / Dezember 2019



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