Kolumne

Ausgabe 142 / Dezember 2015

Ein gar nicht mal so teures Highlight – oder?

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Das Radsport-Highlight des Jahres aus deutscher Sicht? Keine einfache Entscheidung angesichts so vieler Erfolge.

War es das Frühjahr des John Degenkolb mit Siegen bei Mailand – San Remo und Paris – Roubaix? Oder waren es André Greipels vier Etappensiege bei der Tour de France, gekrönt vom Triumph auf der Schlussetappe auf den Champs-Elysées? Wer es etwas bescheidener mag, freut sich vielleicht am meisten über den überraschenden und emotionalen Tour-Etappensieg des Simon Geschke – für mich aber ist die große Sensation etwas ganz anderes: die Tatsache nämlich, dass Düsseldorf nahe davor steht, im Sommer 2017 den Grand Départ der Tour de France auszurichten. Damit würde der Tourstart zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder in der Bundesrepublik stattfinden (West -Berlin 1987) und nach elf Jahren Pause wieder deutschen Boden befahren (7./8. Etappe 2005).

Dieses Großereignis (ob etwas daraus wird, können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht wissen) ist natürlich eng verbunden mit den eingangs aufgezählten Erfolgen und zahlreichen anderen in den letzten paar Jahren. Es sind die Fahrer, die ihre Heimat wieder zurück auf die Landkarte des Radsports gehievt haben und dem Vorstoß der Landeshauptstadt sein Fundament geben. Dass der Radsport noch nicht wieder den Stellenwert hat, den wir ihm wünschen würden, erkennt man freilich an den Details der Bewerbung. Schon angesichts der 40:39-Entscheidung des Düsseldorfer Stadtrates möchte man sich an den Kopf fassen. Musste es wirklich sein, dass wir die Bewerbung zum Auftakt des größten jährlich stattfindenden Sportereignisses der Welt letztlich auch den Abgeordneten rechtsradikaler Kleinparteien verdanken? Klar, die Kommunen sind knapp bei Kasse, da sind 6,2 Millionen Euro natürlich viel Geld, oder? Nur zum Vergleich: Die Gesamtkosten der Olympischen Sommerspiele 2024, um deren Ausrichtung sich Hamburg beworben hat, liegen bei gut 11 Milliarden Euro. Und auch unser 2006er-Sommermärchen hat mehr gekostet als 6,7 Millionen Euro …
 
Caspar Gebel
Redaktion

Procycling - Ausgabe 142 / Dezember 2015



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