Kolumne

Ausgabe 130 / Dezember 2014

Absage oder Rundfahrt-Triple?

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Dass eine Tour de France wie für oder gegen einen bestimmten Fahrer geplant erscheint, ist nichts Neues. Der Kurs von 1993 mit seinen schweren Alpenetappen etwa wurde als klares Anti-Indurain-Rennen empfunden, während die bergige Rundfahrt von 1997 auf den dreifachen Kletterkönig Richard Virenque zugeschnitten schien.

Und als es ein Jahr später eher wenige Anstiege zu bezwingen gab, fanden die Kletterer Virenque und Marco Pantani, der Kurs würde klar den Titelverteidiger Jan Ullrich bevorzugen. In allen drei Fällen kam es am Ende anders, wie man weiß, und das sollten sich alle, die jetzt entweder nörgeln oder gar ihre Teilnahme infrage stellen (wie Chris Froome), aber auch jene, die jubeln und vielleicht den ersten französischen Toursieg seit 30 Jahren in greifbarer Nähe sehen, vor Augen halten. Ohnehin kann man sich fragen, ob es wirklich der Verzicht auf ein Einzelzeitfahren ist, was Vorjahressieger Froome abschreckt, oder vielmehr die Aussicht auf einen Reigen von Flachetappen im Norden mit all den Unwägbarkeiten schlechten Wetters und rutschiger Straßen. Die Überlegung des Toursiegers von 2013, sich im kommenden Jahr auf das Giro-Tour-Double zu konzentrieren, ist freilich auch nicht ohne Reiz. Nur ganz wenigen Rundfahrern ist es bisher gelungen, alle drei großen Landesrundfahrten für sich zu entscheiden; sich neben Contador und Nibali in diese Liste einzutragen, könnte für Froome ein legitimes Ziel sein. Und ein für 2015 entschärfter Giro könnte dafür sorgen, dass dieses Ziel realistisch ist. Oleg Tinkows Idee, dass die vier großen Rundfahrer der Gegenwart bei allen drei Landesrundfahrten um den Sieg kämpfen, mag abwegig erscheinen – doch dass Fahrer wie Nibali, Froome und Contador bei zwei von drei „Grand Tours“ die Klingen kreuzen, ist ja vielleicht doch drin.
 
Caspar Gebel
Redaktion
 
 

Procycling - Ausgabe 130 / Dezember 2014



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